Mittwoch, 26. November 2014

Weisheiten von Zen-Meistern II: Foxin Bencai und Man-an

Aktuell: Thien Son meint wohl, er sei der neue Thay, noch ehe der alte verbrannt ist, trägt jetzt offenbar ein weißes Totenhemd und macht einen auf Dzogchen. Inwiefern Gebete helfen - wie auf der Startseite von Buddhas Weg empfohlen - werde ich bald noch erörtern. Ich zitiere einstweilen einen Autokinobetreiber: "Da hilft kein Mobilat mehr."

Ich finde, dieses Orange stünde ihm besser, wie sie es in amerikanischen Knästen tragen. Dann wäre er auch optisch dem Punnaratana näher.

***

"Was bedeutet Erwachen? - Den Geist zu verstehen, wie er ist."

Meister Foxin Bencai (11. Jh.):

"Nun kannst du die Dinge wenden, ohne dich von Sinnesorganen und Objekten entfremdet zu fühlen. Du nimmst auf, was zur Hand ist, und wechselst die Rollen von Gastgeber und Gast. Das Auge des Universums ist klar, Gegenwart und Vergangenheit sind erneuert. Die spirituelle Fähigkeit direkter Wahrnehmung wird erlangt. Darum sagte Vimalakirti: 'Ein aktives Leben zu führen, ohne aus dem Versenktsein im Erlöschen [des wertenden Denkens] aufzutauchen, dies wird stilles Sitzen genannt.'"


Meister Man-an (17. Jh.):

"Selbst wenn du spirituelles Licht erzeugen und die Atmosphäre verändern kannst, selbst wenn du Geister und wilde Tiere bezähmst und im Sitzen oder Stehen sterben kannst, ja selbst wenn du tugendhaft genug bist,  Königen und Fürsten ein Lehrer zu sein und ein wiedergeborener Buddha genannt wirst - solange du nicht Reichtum, Wollust, Ruhmsucht und Gewinnstreben aufgibst, kannst du kaum als einer betrachtet werden, der die wahre Achtsamkeit aufrechterhält."

"Diese rechte Achtsamkeit bedeutet, an nichts zu denken. Konzentration heißt, keine geistigen Bilder zu ersinnen. Zen-Meister Dôgen sagte: 'An das zu denken, was nicht denkt, ist die wesentliche Art der Sitzmeditation.'"

"Du solltest am Wundersamen nicht anhaften."

"Was immer du tust, stelle mit ganzem Herzen den inneren Meister in Frage, der wahrnimmt, begreift und fühlt."

"Die Konzentration der rechten Achtsamkeit sollte inmitten von Aktivitäten geübt werden. Es ist nicht nötig, die Stille vorzuziehen. Es gibt eine Neigung, die Zenübung unter Bedingungen der Zurückgezogenheit für effektiver zu erachten, doch die Kraft, die daraus erwächst, ist ungewiss in Bezug auf Alltagssituationen; es steckt etwas Feiges und Schwaches darin. Wie kann man dies Ermächtigung nennen?
   Die Konzentration rechter Achtsamkeit ist ein Zustand des Verschmelzens, rund um die Uhr, ohne dass sich einer dessen bewusst ist. Die Arbeit erschöpft dich nicht, und auch wenn du alleine bist, wird dir nicht langweilig. (...)
   Darum sollen die Schüler des Mystischen den Weg inmitten der materiellen Welt praktizieren. 
   Der dritte Patriarch sagte: 'Wenn du den Weg der Einheit gehen willst, wende dich nicht von den Objekten der sechs Sinnesorgane ab.' (...) - d.h. die Sinnesobjekte im Alltag weder ergreifen noch ablehnen, wie eine Ente, die ins Wasser geht, ohne sich die Federn nass zu machen.
   Wenn du klar die Essenz erkennst, dann sind die Sinnesobjekte selbst Meditation, sinnliche Begierden sind selbst der Weg der Einheit und alle Dinge sind Manifestationen der Wirklichkeit. Die große Zen-Festigkeit erlangend, die weder von Bewegung noch von Stille geteilt ist, sind Körper und Geist befreit und erleichtert."

"Der dritte Zen-Patriarch sagte: 'Wenn du versuchst, die Bewegung anzuhalten und in der Stille zu verweilen, dann wird dieses Anhalten noch mehr Bewegung erzeugen.' Wenn du versuchst, wahre Soheit durch das Auslöschen zufälliger Gedanken zu erlangen, dann schlägst du nur auf deinen Lebensgeist ein, minderst deine geistige Kraft und wirst krank - du wirst abgelenkt und in eine Grube von Verwirrung fallen.
   Die beiden Methoden des Erlöschens und Beobachtens ("cessation and observation") solltest du zur Disziplin, Konzentration und Einsicht anwenden. Erlöschen ist Zen-Konzentration, Beobachen ist Einsicht. Beim Erlöschen sind Geist, Intellekt, Bewusstsein inaktiv, verhindern jedes Fehlverhalten und schneiden die Wurzel unbewusster Zwänge ab - da gibt es kein Übertreten der Regeln, ob großer oder kleiner. Beim Beobachten besteht kein Anhaften an Verhaltensweisen, alle Gedanken vom Selbst und den Dingen sind entleert, Hindernisse durch Gewohnheiten sind beseitigt, das spirituelle Licht des essentiellen Selbst scheint überall, innen wie außen.
   Es gibt kein Erlöschen ohne Beobachten und kein Beobachten ohne Erlöschen. Indem die beiden Wahrheiten der Leere und des bedingten Entstehens verbunden sind, ist die tiefe Wahrheit des Mittleren Weges begründet."

"Wenn wir die Welt betrachten, so gehen mehr Menschen an irrigen Gedanken zugrunde als an Krankheiten."

"Wenn du einfach furchtlos mit konzentrierter Achtsamkeit ins Leben eintauchst, dann wandeln sich Schmerz und irrige Ansichten zu einer Masse an tatkräftigem Geist und werden zur einheitlichen Arbeit auf dem Weg."

"Selbst wenn großes Erwachen geschehen und der Körper der Wirklichkeit begriffen ist, wird der Buddha-Weg nicht manifest, solange du von Übung und Erleuchtung beschmutzt bist. Du solltest verstehen, dass es etwas gibt, was jenseits des Jenseitigen ist."

"Es ist wichtig zu wissen, dass es jenseits des Erlangens noch Übung gibt und der Weg des lebendigen Zen durch versteckte Praxis und geheimes Anwenden zu erhalten ist."


(Mönchsprozession in Pattaya, Foto: Keller)

Kommentare:

  1. "Solange du nicht Reichtum, Wollust, Ruhmsucht und Gewinnstreben aufgibst, kannst du kaum als einer betrachtet werden, der die wahre Achtsamkeit aufrechterhält."

    Das ist der gleiche dualistische Zenscheiß, der mich hart am daran ankotzt. Wie kann sich, existierte er, 'moderner' Zen an solchen Aussagen messen?

    Hierzu ein Haiku von mir, geldzählend und der Wollust frönend im Jetzt vefasst:

    Salat, Fleisch,
    Quadrat, Kreis,
    Ja, Nein,
    Schwarz, Weiss.
    Der reichste Motherfucker des Planeten;
    ist er nicht einfach!
    Nicht-Buddha?
    Vor lauter Achtsamkeit,
    plötzlich so unachtsam.
    Ach Bencai!

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  2. Aber das mit Thay ist doch in Ordnung. Er spricht über falsche Geborgenheit, falsche Sicherheit, falsche Verbindung und falsche Offenheit. Wer verkörpert das denn mehr als Thich Thien Son?

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  3. "Anonym": Das Zitat ist von Man-an. Ich habe selbst noch keinen Menschen getroffen, den ich als frei erlebt habe, wenn er nicht von seinem Besitz und Gewinnstreben lassen konnte. Diese Menschen zeigen früher oder später in meinen Augen falsche Ansichten zu bestimmten Dingen, z.B. zum Ausmaß der Absicherung, die ihre Familie benötigt. Bei Männern geht es oft darum, dass sie ihre Chancen bei Frauen oder einer bestimmten Frau (oder allgemeiner: potentiellen Sexpartnern welcher Art auch immer) in Bezug zu ihrem Besitz setzen, natürlich auch den Umfang ihrer Einflussmöglichkeiten, ihrer Macht. Nicht, dass da kein Zusammenhang bestünde, aber die Frage ist, was passiert, wenn man sich diesem Possenspiel verweigert. Man-an beschreibt das ja im Folgenden so, dass im eigenen Denken kein Platz mehr für solche Gedanken ist.

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  4. Gui-Do,

    ich weiß, dass es von Man-an ist, doch finde ich es paradox - gut, das Paradoxe mögen wir im Zen ja - dass du vorher Bencai mit "... im Erlöschen [des wertenden Denkens] ..." zitierst, denn, wären Reichtum und Wollust aufzugeben, so müsste es einen Ort hierfür geben, um dann denjenigen Ort, den Man-an verspricht, zu erreichen. Um es mit Dogen zu halten: "Weil die Blumen im leeren Raum das Fahrzeug der Buddhas und Vorfahren sind, sind auch die Buddha-Welt und die Lehre aller Buddhas nichts anderes als Blumen im leeren Raum." (Kuge Shobogenzo)

    Reichtum und Wollust, sind das nicht auch nur Blumen im leeren Raum?

    Freilich, sich selbst verarschen sollte man dabei nicht: Wer sich zum Sklaven des von dir genannten Handelns macht, der wird irgendwann unglücklich, weil er sich selbst zu ernst nimmt.

    Gassho
    Felix
    (Anonym)

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