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Posts

Sam Harris oder:
Warum man sich dem "Bösen" in sich stellen muss

"Menschen, die nicht inmitten des Bösen das Anhalten und Sehen praktizieren können,  empfiehlt der Buddha die Tugend als den Weg." (Chih-i) Theravada-Spezialist Hans Gruber beschäftigte sich  kürzlich  recht begeistert mit Sam Harris , einem Vertreter des "Neuen Atheismus", der seine Kritik besonders am Islam festmacht und mit mir einige Ansichten teilt, etwa die, dass man keine Religion benötigt, um moralisch gefestigt leben zu können. Harris ist einer, der sich nicht durch Denkverbote einschränken lässt, und so kommt er darauf, dass die Folter eines Menschen, von dem man Informationen zum Schutze vieler bekommen könnte, nicht unmoralischer sein kann als das Auslöschen von Massen durch eine Bombe. Harris' Sprache ist klar, seine Logik überzeugend. Da seine Positionen aber im Einzelfall reaktionärer Politik dienen können, wird er von den (linken) "Spekulativen Non-Buddhisten" nur ungern herangezogen. Dabei teilen sie die Forderung, auch Spiritual...

Best of Joshu Sasaki

Vom kürzlich verstorbenen Joshu Sasaki ist offenbar nicht viel Schriftliches überliefert, aber vielleicht kommt das noch, die Aufzeichnungen einiger Teisho* aus den 70er-Jahren sind bereits eine kleine Fundgrube dessen, was mir am japanischen Zen schmeckt. Noch vor einigen Monaten war ich darauf vorbereitet, eine ähnliche Analyse des Sasaki-Archivs (nur noch über Web-Archive) zu machen wie bei Eido Shimano, dessen sexuelles Fehlverhalten allerdings im Verhältnis bedeutsamer erscheint. Mit Sasakis Tod dürfte er als Projektionsfläche "Sexmonster" kaum noch eine Rolle spielen. Obwohl sich beim Zen-Lehrer Doraku-an (Dr. Jörg Bernsdorfer) die seltsame Ansicht* findet, man müsse jemandem, der eine Gefängnisstrafe wegen eines Finanzdeliktes abgesessen habe, diese noch Jahrzehnte später vorhalten und mit seinen Übergriffen auf Schülerinnen in Verbindung bringen. Doraku-an erfindet dafür - in eigenen Worten - sogar die Regel "not fooling around with female [sic]" also nicht...

Der Y-Buddhismus der Nicht-Buddhisten oder:
Warum auch Laruelle nichts Neues bringt

Einst warf ich Matthias Steingass auf dem Unbuddhisten Faulheit vor. Das nehme ich zurück. Inzwischen hat er eine Art Gebrauchslexikon für den "Spekulativen Non-Buddhismus" (SNB), den ich Y-Buddhismus nenne, übersetzt. Wenn man darauf reagiert wie ich gleich hier, kommen jedoch nach wie vor die Anwürfe, man habe nicht gelesen oder nicht verstanden. Im Grunde könnte man darauf antworten: "Ihr ja auch nicht, wie kommt ihr z.B. darauf, dass es in der Buddhalehre keinen atman gebe?" Lieber will ich einräumen, dass ich das "Querlesen" gewöhnt bin, ich verschaffe mir also einen schnellen Überblick über das Gesagte und bewerte, ob es die Mühe vertiefter Lektüre lohnt. So habe ich etliche Werke von Jack Kornfield auf Anregen einer Userin in einer Buchhandlung durchgesehen. Einige wenige Stellen genügten, um mir klarzumachen, dass diese Werke das Althergebrachte erzählen und die alten Klischees transportieren (z.B., dass jeder bekommt, was er [sich] verdient).  ...

Weitere Torheiten von Thich Nhat Hanh und die Doku "Bodhisattva Superstar"

Ein  Foto , das Thich Nhat Hanh (TNH) 1974 in informeller Kleidung zeigt: Ein angeblich nach dem Vinaya ordinierter Mönch, der sich nicht die Haare schnitt ...    Nun fand ich noch das unten stehende Video [Anm.: Das Video wurde offenbar entfernt, was ich als Beleg dafür nehme, dass ich hier den Finger in die Wunde legte (Stand: August 2018] von einer Frage-Antwort-Sitzung einer anderen TNH-Veranstaltung aus dem Jahre 2012. Diese hat es wirklich in sich. Man beachte zunächst das nach dem anfänglichen Singsang neben TNH auf einem Podest platzierte junge Mädchen, das er "beautiful flower" nennt und das später gegen eine andere ausgetauscht wird. Während der Sitzung verfällt TNH mehrmals in den Befehlston gegenüber Kindern, so wenn er ein Mädchen, dem er seine Pastillchen gegen Heiserkeit aus der eigenen Hand reichen ließ, auffordert, diese vollständig und sofort in den Mund zu tun. Solche Dinge berühren mich seltsam: Wie TNH plötzlich aus seinem gefühlvollen Duktus heraus...

Mord an einem tibetischen Mönch:
Reinkarnation entdeckt

"Haha, der wahre Buddha ist irgendwo da draußen die Welt der Zukunft so beginnt sie. Irgendwo, da ist sein Haus, sein Haus, das ist das Draußen. Ho ho, einen langen, langen Tag fleht der Kuckuck Buddha an." (Ko Un: Zen-Gedichte, was'n das?) Als ich kürzlich mal nachschaute, was aus dem Prozess gegen die Mörder von Akong Rinpoche geworden ist, las ich, dass die Verhandlung gegen sie läuft. Unmittelbar nach dem Mord gab es diverse Thesen, etwa die Chinesen könnten ihn in Auftrag gegeben haben (Akong war tief in das tibetische Reinkarnationsgefüge involviert und hatte beim Auffinden des 17. Karmapa geholfen - wir erinnern uns, der 16. litt offenbar unter einer "Schizosubtilie",  einer Spaltung seiner subtilsten Energien, weswegen er sich gleich zwei Mal reinkarnieren musste). Andererseits waren Akong oft seine tollen Kontakte nach China vorgeworfen worden, wo man ihm sogar den Titel "Living Buddha" verliehen hatte. Von Seiten des mut...

Neueste Torheiten von Thich Nhat Hanh

Der  Economist kritisierte vor einem Jahr als "lächerlich", dass sich 300 Mitarbeiter der Weltbank, allen voran ihr Präsident und TNH-Fan Jim Kim, zu einem Tag achtsamer Meditation mit dem Thich zusammentaten. Der Thich erzählte ihnen was von der "Kraft der Ziellosigkeit" und von "gefräßigem" Wirtschaftswachstum. Einen Zusammenhang mit der zielgerichteten, weltweiten Aktivität von Parallax Press , die die zahlreichen unter seinem Namen erschienenen Bücher vermarkten, dabei ganze Regale in Buchhandlungen "fressen" und gleichzeitig Spendengelder für TNHs "Unified Buddhist Church, Inc." sammeln, stellte er offensichtlich nicht her. Das alles geschieht angeblich ja auch "non-profit", in einem kruden Mix aus bezahlten Arbeitsplätzen, Umsätzen und dem Bedürfnis nach "Freiwilligen", auf die man angewiesen wäre.    Warum ich mich damit überhaupt beschäftige? Es ist immer wieder witzig, den Flachheiten bekannter buddhisti...

Todesschwadronieren mit Ole Nydahl

Die Zugriffe auf meine wenigen Beiträge zu Ole Nydahl haben zugenommen. In den letzten Jahren hatte man auf meine Kritik offenkundig u. a. mit einer Satzungsänderung und dem Löschen eines Videos reagiert, siehe  hier und  hier. Da nehme ich ihn doch einfach noch mal ganz aktuell auseinander. (Beeilt Euch, bevor die Belege wieder gelöscht, verändert oder manipuliert werden!) Zuerst dachte ich, der Ole Nydahl hätte hier im 2. Video gesagt, er danke seinen Eltern dafür, dass sie ihm ein paar gute Jeans gegeben hätten. Aber nein, er sagte: "Genes" (Gene). Er meint, da er schnelle Motorräder fahre und Fallschirm springe würde er kein bewusstes Interesse an einem langen Leben haben. Er würde "so viele gute Eindrücke in diesem Leben zu sammeln suchen", dass er im nächsten "die Kraft habe, mehr Wesen zu nutzen". Hier ist natürlich ein Widerspruch. Da der Ole gerade noch eingestanden hat, sein Leben mit eher risikoreichen Betätigungen zu gefährden, kann es ...

Sterben mit Kikifax Roshi

Kürzlich erwiderte ich eine Kritik in einem Kommentar, es gäbe eben kaum Zenlehrer im Westen, die nicht von anderen Traditionen beeinflusst oder verwirrt worden seien. Sogleich stieß ich auf ein Beispiel: Joan Halifax. In ihrem Wiki-Eintrag werden als "Vorgänger" Bernhard Glassman und Thich Nhat Hanh genannt, als Lehrer Seung Sahn. Auf dem Foto ist sie da mit dem Dalai Lama zu sehen. Schon haben wir alle Pappnasen beisammen (in Bangkoks größter Buchhandlung Kinokinuya füllen TNHs Bücher drei Regale, die des DL ein halbes, manchmal stehen sie auch nebeneinander).     Wir bekommen eine Idee davon, was einige Zenlehrer daran fasziniert, Hospize zu betreiben und zu betreuen (in Japan beschweren sich Zenlehrer eher mal, dass man sie nur für die Toten braucht). In Buddhist Care for the Dying and Bereaved (Wisdom 2012) schreibt Halifax: "Wir nutzen [bei der Betreuung von Sterbenden] tonglen , die neun Kontemplationen des Atisha" und noch was von Lama Yeshe. Auch dess...

Achtsames Essen mit Jan Chozen Bays

"Ts'ao-shan ist frei, alles zu essen."  (Ts'ao-shan Pen-chi, 840-901) Kürzlich schrieb ich noch in einem Kommentar, mir würde langsam der Stoff für diesen Blog ausgehen, was gezielte Polemiken angeht, bzw. ich würde mich wiederholen. Auf der anderen Seite geschieht es immer wieder, dass ich, um Thesen zu überprüfen (z.B. bestimmte Lehrer brächten keine sie übertreffenden Schüler hervor [Peter Matthiessen hatte Bernie Glassman nicht nötig, sondern umgekehrt]), mich wal wieder an einigen "Roshis" entlang durchs Netz klicke.    Was macht z. B. Jan Chozen Bays , die Kinderärztin, authorisiert vom verstorbenen Alkoholiker Maezumi Roshi, der mehrfach verheiratet war und mit dem sie eine Affäre [Link geht nicht mehr, Januar 2019] gehabt haben soll? Sie lehrt achtsames Essen , und sie gilt auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs als Expertin. Da steigt mir natürlich gleich ein diebisches Grinsen ins Gesicht, wird doch im Palikanon sexueller Missbrauch in e...