Donnerstag, 23. Dezember 2010

Dogen: Daibutsuji Goroku (XI)

Dôgen sprach zum Dank für den Dienst eines tenzo-Mönches in der Vortragshalle: „Für Zen-Klöster in Japan war ich der erste Mensch, der die Lehre vom tenzo übertrug. Wir hatten so etwas noch nie zuvor. Es ist das Beispiel, dem hohe und tugendhafte Mönche in der Vergangenheit durch ihre persönliche Praxis folgten, wie Wei-shan, Chia-shan[1], Wu-chao[2] und Hsüeh-fêng. Dies jenseits der Zeit zu verwirklichen ist das größte Verdienst. Wer könnte dessen Grenzen ermessen? Nicht nur unter einem, zwei, drei, vier, fünf Buddhas, sondern unter unzähligen Buddhas solltet ihr demnach verschiedenste gute Taten tun und viel Verdienst erlangen und eure Pflichten als tenzo gründlich ausführen, verstehen, vorantreiben und darüber reflektieren. Darum heißt es: ‚Wenn du, tenzo, die Nasenlöcher der Buddhas und Patriarchen hast, dann gebe ich sie dir. Wenn nicht, dann nehme ich dir deine weg.‘“
   Dann erhob Dôgen seinen hossu und fuhr fort: „Dieser hossu ist jenseits von geben und wegnehmen. Darum werden die Nasenlöcher weder von mir noch von euch getäuscht. Manchmal werden sie plötzlich zu einer Flöte ohne Löcher. Dann können sie nicht mehr wie zuvor oberhalb eurer Lippen stehen. Sobald ihr durch eines von ihnen die Melodie des Shaolin-Klosters spielen wollt, erklingt die Melodie der Pflaumenblüten. Versucht ihr die Melodie des Jêtavana-Gartens[3] zu spielen, ertönt die des Staates Ta-shi[4]. Nach oft wiederholten Fehlern hängen unsere Nasenlöcher am Sonnen- und am Mondgesicht. Unser gesamtes Ausatmen durchstößt die Nasenlöcher. Die Augäpfel eines tenzo-Mönchs strahlen Licht aus, und das wiederum öffnet die Augen.
   Tenzo-Mönch, du hast bereits an die Nasenlöcher geglaubt, darum haben die aufeinander folgenden Buddhas den Dienst eines tenzo verwirklicht, indem sie dreihundertsechzig Tage lang Hände und Augen mit dir teilten. Die aufeinander folgenden Patriarchen haben ihn ebenfalls mit demselben Körper und Geist wie du ein Jahr lang ausgeübt, so das Verdienst eines tenzo erlangt und den Weg verwirklicht. Beein-druckt von deinem Verdienst klopft nun plötzlich sogar eine unbelebte Schöpfkelle an einen Reiseimer oder Suppenkübel und rezitiert einstimmig und wiederholt das Mahâprajnâpâramitâ, wodurch es sogar den Dharmakörper Buddhas bei seinem Erstehen überrascht. Dieses Mahâprajnâpâramitâ verbreitet sich überall, durchdringt Zäune und Mauern, und es gibt keinen Ort, an dem man es meiden könnte. Wie solltet ihr diesen unvermeidlichen Ort nennen?“
   „Yün-mêns Samâdhi ist die Manifestation aller Dinge, das die ‚Räder der Nahrung und des Dharma‘ dreht. Einen Eimer voll Wasser zu tragen und eine Schale mit ihm zu füllen bedeutet, die Weisheit[5] des Bhagavat auf neue Weise zu nutzen.“


[1] 805–881, Nachfolger von Chuan-tzu Tê-cheng.
[2] 820–899, Nachfolger von Yang-shan Hui-chi.
[3] Dieser Garten wurde vom reichen Händler Sudatta dem Buddha Shakyamuni und seinen Schülern gespendet, damit sie sich dort der religiösen Übung widmen konnten; er lag in der Stadt Shrâvasti.
[4] Ein Teil Persiens.
[5] Jap. juki.

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