Mittwoch, 15. Dezember 2010

Dogen: Daibutsuji Goroku (VII)

„Im letzten Winter sagte ich zu den Mönchen: ‚Wenn ihr euch in der Halle, dem Flur, an einem Bach oder unter einem Baum trefft, dann solltet ihr euch in gasshô[1] verbeugen, wie es Buddha bestimmte, und erst danach sprechen. Dies werde ich als dauerhafte Regel festlegen.‘
   Wie könnte es sein, dass Buddhas und Patriarchen einander ohne Etikette begegnen? Der Buddha Shakyamuni behandelte leichte Angelegenheiten, indem er Weihrauch verbrannte und Blumen wie Regen verteilte, wobei er fragte, ob er gut zu verstehen sei. Als Yung-chia[2] zu Hui-nêng kam, schüttelte er sein shakujô. Auf diese Arten also begegnen sich Buddhas und Patriarchen. Dies müsst ihr genau beobachten. Ihr dürft die früheren Begegnungen nicht ignorieren.
   Einst fragte ein gewisser Mönch Mu-chou[3]: ‚Mit einem Wort – was ist ein Buddha? Mu-chou erwiderte: ‚Er ist in deinem Mönchsbeutel.‘ Als ein Mönch die gleiche Frage Yün-mên stellte, antwortete dieser: ‚Er beseitigt den Unterschied zwischen gestern und heute.‘ Wenn mir jemand die gleiche Frage stellt, werde ich meinen hossu fortwerfen.“
   Da einige Mönche ungläubig ihren Kopf hoben, ergänzte Dôgen: „Leider haftet ihr an meinem einzigen hossu.“


[1] Eine Respektsbezeugung mit vor der Brust zusammengelegten Handflächen, die die Einheit von Körper und Geist symbolisiert.
[2] Gest. 713, Nachfolger von Hui-nêng und Autor des Shôdô-ka („Gesang der Erleuchtung“).
[3] Nachfolger von Huang-po Hsi-yün.

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