Dienstag, 14. Dezember 2010

Dogen: Daibutsuji Goroku (VI)

„Die Augenbrauen zu heben ist eine Tat jenseits des unterscheidenden Geistes. Wenn ihr euren Kopf schnell dreht[1], werdet ihr selbst den Himmel durchdringen und den Bereich erlangen, der frei von Anhaftung ist. Wer die Buddhas der drei Zeiten verschluckte, hat es bisher abgelehnt, seinen Mund zu öffnen, weil er anderen gehörte.
   Wer das ganze Universum erleuchtet hat, lehnt es nun ab, auch nur die eigenen Augen zu öffnen, weil die Augen der anderen zu den eigenen werden. Dennoch werdet ihr sicher, sobald ihr ein Wort äußert, das nicht Buddhas ist, ein toter Mann sein.
   Ching-ching sagte einst zu Hsüan-sha: ‚Ich bin nur ein Novize in diesem Kloster. Bitte weist mir den Weg zum Dharma.‘ Hsüan-sha antwortete: ‚Hast du den Ton eines Rinnsals gehört?‘ Als Ching-ching bejahte, meinte Hsüan-sha: ‚Trete dadurch ein.‘ So verwirklichte Ching-ching den Weg des Dharma.
   Zen-Meister Fa-yen vom Berg Wu-tsu meinte: ‚Wenn du den Dharma verwirklicht hast, wird du jede Richtung als solche erkennen. Wenn nicht, darfst du jetzt noch nicht von hier fortgehen.‘ An seiner Stelle hätte ich anders gesprochen. Wollt ihr wirklich den Dharma verstehen? Leider hängt ihr an einem Pferdepfosten[2]. Wenn mich jemand plötzlich fragte: ‚Wie stehst du dazu?‘, dann würde ich antworten: ‚Was für eine Schande[3].‘“


[1] D.h. über euch selbst reflektiert.
[2] Ein Pfosten oder Geländer, an das man Pferde anbindet, steht hier für das Anhaften an Ausdrücken wie „Trete ein durch …“.
[3] … solch eine Frage zu stellen.

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