Montag, 22. November 2010

Ko Un: Gedichte (IV)

In der Haupthalle eines Tempels

Hol den Buddha runter!
Hol diesen hübschen, wohlgenährten Buddha runter!
Was ist das für ein elegantes, dünnes Bärtchen?
Am folgenden Tag
reiß diese angemalte Hure eines Tragebalkens nieder!
Wofür zum Teufel ist dieser Drachenkopf gut?
Reiß den ganzen Tempel nieder,
vertreib die Mönche,
mach alles zu Staub und Schrott!
Puuh!

Nicht-Buddha, das ist der wahre Buddha.
Unsere großmäulige Marktfrau in Seoul, sie ist der wahre Buddha.
Wir alle sind wahrhaft Buddhabuddhabuddha.
Lebender Buddha? Eine einzige Zigarette,
da ist ein wirklich cooler, heiliger Buddha.

Nein, auch das nicht.
Selbst wenn die Welt voller Kuchen wäre
und jeder genug zum Leben hätte,
in sagenhaften Klamotten, mit allerhand Gütern gesegnet,
dank der Verbindung von Koreas und Amerikas Technologie,
wenn jeder frei leben könnte, ohne Rechte zu verlieren,
Himmel!
Paradies!
vollkommenes, unvergleichbares Eden, mit Juwelen gepflastert, selbst dann
müssten Tag für Tag Menschen die Welt verändern.
In jedem Fall
muss Tag für Tag diese Welt auf den Kopf gestellt
und als blühende Lotusblume erneuert werden.
Und dies ist Buddha.

(…)

***

Mopp

An windigen Tagen,
wenn die Wäsche im Wind flattert,
möchte ich zu einem Mopp werden,
ja, ohne unterwürfig zu sein, möchte ich ein Mopp werden.
Ich werde nicht fragen,
wie weit unser Land verschmutzt und besudelt ist.
Ich möchte nur zu einem Mopp werden
und demütig wenigstens einen Ort sauberwischen.

Ich darf die Tage nicht vergessen, als ich, zum Mopp geworden,
meine Gefängniszelle säuberte.

Ja, ich will zum Mopp werden.
Wenn ich erst ein Mopp bin,
will ich mein ganzes versautes Leben aufwischen.

Bin ich mit Aufwischen fertig,
möchte ich den dreckigen Mopp auswringen,
wieder und wieder,
nochmal und nochmal,
bis er es nicht mehr aushält.

Ich möchte als neuer Mopp
in einem neuen Land wiedergeboren werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Das Sichten und Freischalten der Kommentare kann dauern.