Montag, 15. November 2010

Ko Un: Gedichte (III)

Zerstörung des Lebens

Trenne dich von Eltern! Trenne dich von Kindern!
Dies und das, und dies nicht das,
und alles andere ebenso –
schneide es ab und töte es mit der scharfen Klinge der Nacht.
Jeden Morgen sind Himmel und Erde
behäuft mit allem, was tot ist.
Unsere Aufgabe ist, dies den ganzen Tag zu begraben

und dort eine neue Welt zu errichten.


Spiel und Spaß in der Umlaufbahn

Letzte Nacht schnitt ich mir einen Arm ab
und gab ihn einer armen Frau.
Dann schnitt ich den anderen Arm ab –
und gab ihn ihr ebenfalls.
Nun hab ich also keine Arme mehr. Ha ha ha.

Am frühen Morgen schnitt ich mir beide Beine ab
und gab sie einem Faulenzer in meiner Nähe.
Nun bin ich beinlos. Ha ha ha.
Ich frage mich jedoch:
Was zum Teufel tue ich da? Ha ha ha.

Heute früh gab ich meinen Rumpf
einem Löwen im Zoo.
Nun habe ich also
keine Schulterblätter mehr. Und auch keinen Nabel.
Keine Lungen. Erst recht keine Milz und keine Leber. Ha ha ha.

Da kann man nichts machen. Nun bin ich nichts
als ein Kopf, nichts als ein Kopf,
nichts als ein Kopf. Ha ha ha.
Ein Mönch mit Glatze aus dem Chogye-Tempel
kickt meinen Kopf beiseite.

Ab geht’s, drehe mich fröhlich im Kreis,
ein anderer Mönch mit Glatze köpft mich weg.
Ich steige hoch,
dann fall ich runter, plonk.
Weltmeisterschaft! Olympiade! Ha ha ha.

Schaut euch das an!
Mit einem einzigen Kopfstoß schick ich diese Erde,
diese hilflose Erde in die Irre,
na klar, aus ihrer Bahn.
Ich schicke diese Welt davon,
um für immer in der Leere des Weltalls zu verschwinden.

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