Freitag, 29. Oktober 2010

Ko Un: Gedichte (V)

Deine Beredsamkeit

Jedes Mal, wenn du eine Rede hältst,
jedes Mal überwältigt deine Beredsamkeit deine jungen Hörer.
Ich stehe auf und gehe raus.
Warum? Weil deine Beredsamkeit
vollkommene Zuversicht ausstrahlt,
doch kein bisschen Pein.
Mehr als das!
Weil in deiner Beredsamkeit
überhaupt kein fester Glaube steckt.

Bevor ich dich verachte, verachte ich
all diejenigen, die ganz wild nach deinen Worten sind.
Um Himmels willen!

***

Kürbisblüte

33 Jahre bin ich Poet
und habe fröhlich Schönheit definiert.
Jedes Mal habe ich ohne zu zögern behauptet:
„Schönheit ist dies“, oder
„Das ist ein Verrat an der Schönheit“.
Ich habe mich wegen der verschiedenen ästhetischen Theorien verrückt gemacht.
Doch in keiner von ihnen befand sich jemals Schönheit.
Ich schlief bei eingeschaltetem Licht ein.

Ich fürchte so die verflossenen Tage!
Versuch niemals, Schönheit zu definieren.
Niemals.
Nie.

Wie könnte Schönheit beschrieben werden?
Wegen der langen Regenzeit
gab es keine Blüten auf den Kürbispflanzen.
Nun, wo der Regen vorbei,
ist endlich eine Blüte erblüht,
darin zittert eine Biene –
und draußen zittere ich.

Kürbisblüte, die vor Leben strotzt!
Wahre Schönheit!

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