Donnerstag, 18. März 2010

Die Freundschaft zwischen Sawaki und Katô Rôshi (Teil 5)

Mein erstes Treffen mit Soen Shaku Rōshi war unvergesslich.
   Ich saß in der traditionellen Seiza-Position – die Füße unter mir verschränkt, das Gesäß auf meinen Waden ruhend – und kündigte mich draußen vor Rōshi Soen Shakus Zimmer an.
   „Herein“, sagte er.
   Kniend schob ich die Tür auf, stand auf, trat über die Schwelle, wandte mich um, kniete mich wieder hin und schob die Tür zu. Ich drehte mich zu Rōshi um, warf mich dreimal zu Boden, wie es mir von einem der Mönche beigebracht worden war, und kehrte in die Seiza-Position zurück. Ich musste meine Überraschung zurückhalten, als ich den Meister auf einem bequemen Stuhl hinter einem großen Tisch sitzen sah. Er hatte eine moderne Art angenommen, was mir eher ungewöhnlich vorkam, aufgrund der formalen Zen-Zusammenkunft mit einem Rōshi, bekannt als Dokusan. Er war ein gut aussehender Mann mit ernster Miene, die einschüchterte. Doch die Strenge schien im Widerspruch mit dieser ungezwungenen Aufmachung zu stehen, die er für das Dokusan angenommen hatte. Es fühlte sich eigenartig an, wenn bei einem formalen Treffen, um das Verständnis meiner Kōan zu überprüfen, der Lehrer mit einem Tisch vor sich auf einem Stuhl saß.
   Inzwischen hatte ich die Idee verworfen, dass Buddhismus sich an die moderne Welt anzupassen hätte. Ich dachte an Buddha, wie er in tiefer Meditation unter dem Bodhibaum saß, blind gegenüber den äußeren Naturelementen und den inneren Dämonen des Geistes. Aber hier kniete ich nun an einer Seite eines Tisches, während der Meister auf einem bequemen Stuhl auf der anderen Seite saß. Es entsprach eher der Stimmung einer Teegesellschaft als einer formalen Zen-Zusammenkunft.
   „Wie ist dein Name?“ Rōshi fragte mit einer hohen Stimme, die wieder nicht zu diesen strengen, durchdringenden Augen und dem ernsten Benehmen passen wollte.
   „Kato Tokujō“, sagte ich, während ich mich langsam von meinem ersten Schock aufgrund dieser unerwarteten Aufmachung erholte.
   „Tokujō? Ein Mönchsname! Warum trägst du keine Robe?“
   „Die letzten zwei Jahre war ich Student an der Schule für Philosophie in Tokyo.“
   Auch wenn das keine sehr sinnvolle Erklärung dafür war, dass ich die Kleidung der Laienanhänger trug, hörte Soen mit den Fragen auf und gab mir mein erstes Kōan.
   „Ein Mönch fragte Meister Joshu: ‚Hat der Hund die Buddha-Natur, oder nicht?’
   Joshu antwortete: ‚Mu! (nein)’“
   Soen sagte mir, dass ich über die Antwort mu meditieren und an keinen anderen Bestandteil des Kōan denken sollte.
   „Meditiere einfach über mu, bis es deinen Körper und Geist durchdringt.“
   Ich verließ sein Zimmer, ging in die Meditationshalle und begann über mu zu meditieren. Von diesem Tag an würde ich mich jeden Morgen mit Soen zum Dokusan treffen und mein Verständnis des Kōan zum Ausdruck bringen. Wenn ich irgendetwas über das Wesen eines Hundes erwähnte oder die Bedeutung der Buddha-Natur, würde Rōshi sagen: „Vergiss alles außer mu!“, und seine kleine Glocke klingeln, um mich zu entlassen.
   Als ich saß, schmerzten oft meine Knie und mein Rücken, und ich rezitierte mu dann noch eifriger, um meinem Geist die Schmerzen zu nehmen. Mein Körper vibrierte und die Schmerzen ließen nach.

[wird fortgesetzt]

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